Dr. habil. Mateusz Wyżga

Mateusz Wyżga (geb. 1981), Historiker, habilitierter Doktor, Professor an der Uniwersytet Komisji Edukacji Narodowej w Krakowie. Er beschäftigt sich vor allem mit der altpolnischen Epoche. Seine Forschungs-schwerpunkte sind historische Demografie, Mikrogeschichte, Genealogie, Migrationsgeschichte und Regionalismus. Er ist Autor zahlreicher Bücher und wissenschaftlicher Arbeiten sowie Popularisator der Geschichte. Mehrfach nominiert wurde er für das populärwissenschaftliche Buch Chłopstwo. Historia bez krawata (u. a. für den Wettbewerb Mądra Książka Roku, den Nagroda im. Profesora Tadeusza Kotarbińskiego sowie den Nagroda im. Jerzego Giedroycia).
Er betreibt Langstreckenlauf und spielt Gitarre, Saxophon und Akkordeon. Als Kommunalpolitiker war er außerdem acht Jahre lang Dorfschulze in seinem Heimatdorf Dziekanowice, Gemeinde Zielonki (2003–2011).

Autor des beigefügten Porträtfotos: Dr. Bartosz Kałużny, Uniwersytet Łódzki

Thema: Das sarmatische Polen – wer wir sind und wie wir über uns sprechen

In den polnischen Geistes- und Sozialwissenschaften sowie in der Kultur hält sich seit einigen Jahren die sogenannte „Volkswende“ (zwrot ludowy). Dieser Trend, der teilweise aus den Umbrüchen der polnischen Gesellschaft sowie aus der Suche nach Identität und Wurzeln resultiert, ist auch in der Genealogie deutlich sichtbar. Immer häufiger und mutiger wird nach der plebejischen Vergangenheit gefragt.

Als Antwort auf das Bedürfnis, die Geschichte gewöhnlicher Menschen – der Bauern und Bürger –, die Alltagsgeschichte und die Mikrogeschichte näherzubringen, entstand eine interdisziplinäre Strömung, die als Volksgeschichte Polens (historia ludowa Polski) bezeichnet wird und auch von ähnlichen internationalen wissenschaftlichen Trends inspiriert ist.

Im Falle Polens entwickelte sich daraus ein originelles Phänomen, da die heutige Gesellschaft Erbin sowohl der plebejischen Kultur (bäuerlich und bürgerlich) als auch der adligen Kultur (der sogenannten sarmatischen Kultur) ist, die miteinander verschmolzen sind.

Im Vortrag werden die Genese der Volkswende und der sarmatischen Wende in der polnischen Kultur und Wissenschaft, ihr Forschungspotenzial sowie Erfahrungen mit der Präsenz eines professionellen Historikers im lebhaften medialen, publizistischen und gesellschaftlichen Diskurs vorgestellt. Diese Erfahrungen zeigen, dass die Sozialgeschichte an der Weichsel den Charakter einer angewandten Geschichte besitzt, die viele Phänomene im Zusammenhang mit der polnischen Identität und ihren Quellen erklären kann.