Jacek Szczepaniak, Dr. habil. der Geisteswissenschaften, Linguist und Germanist, ist Professor an der Kazimierz-Wielki-Universität in Bydgoszcz. Seit 2019 leitet er den Lehrstuhl für Sprachliche Kommunikation. Seine Forschungsinteressen konzentrieren sich auf Fragestellungen der linguistischen Pragmatik, der Diskursanalyse, der Textlinguistik, der Medienlinguistik sowie der linguistischen Emotionsforschung.
Der mediale und semiotische Status von Emotionen als „Sprachspiele“ im Sinne Ludwig Wittgensteins war das Thema seiner Habilitationsschrift (2015).
In den Jahren 2019–2024 leitete er das Projekt Emotionale Nachbarschaft. Affekte in deutsch-polnischen medialen Diskursen seit dem EU-Beitritt Polens / Emocjonalne sąsiedztwo. Afekty w polsko-niemieckich dyskursach medialnych od przystąpienia Polski do UE, das von der Deutsch-Polnischen Wissenschaftsstiftung finanziert wurde (Projektnummer: 2019-16).
Emotionale Nachbarschaft. Affekte in deutsch-polnischen medialen Diskursen
Trotz der geografischen Nähe zwischen der polnischen und der deutschen Gemeinschaft kann von einer kommunikativen Distanz gesprochen werden, die sie voneinander trennt. Bestehende Asymmetrien in Politik und Wirtschaft zwischen den Nachbarländern, verstärkt durch historische Belastungen, werden in der öffentlichen Kommunikation – insbesondere in medialen Botschaften – häufig zu affektauslösenden Faktoren, die Erkenntnis mit dem Bereich der Emotionen verknüpfen. Dies kann zur Entstehung eines unvollständigen oder verzerrten Wissens über den europäischen Partner innerhalb der jeweiligen Gemeinschaft führen.
Die Nachbarschaft zwischen Polen und Deutschland ist eine dynamische Beziehung, die sich im Spannungsfeld von Vergangenheit, Eigeninteressen und der Europäischen Union entwickelt. Dieses konflikthaltige Beziehungsgeflecht nimmt im Mediendiskurs eine mehr oder weniger ausgeprägte affektive Dimension an, die Prozesse der Inklusion, Exklusion oder Identitätsbildung auslöst oder verstärkt.
Auf der Grundlage theoretischer Konzepte aus der linguistischen Diskursanalyse, der Medienlinguistik und der linguistischen Emotionsforschung sowie unter Einbeziehung empirischen Materials (Presseartikel und Titelseiten von Zeitschriften) möchte ich den diskursiven Charakter solcher Prozesse aufzeigen. Nur ein multidimensionaler Blick auf Emotionen erlaubt es, sie als kommunikative Phänomene zu verstehen, die in einem bestimmten medialen Umfeld realisiert und von Diskursakteuren genutzt werden, um emotional gefärbte Bilder der Wirklichkeit zu erzeugen.
Zum Abschluss des Vortrags möchte ich Überlegungen zu einer bewussten, reflektierten und diskursiv realisierten „Politik der konstruktiven Emotionen“ anstellen. In der medialen Öffentlichkeit könnte eine solche Politik – durch gezielte und überlegte Maßnahmen – wirksam dazu beitragen, potenzielle Spannungen zu verringern und negative Folgen bestimmter kommunikativer Handlungen zu vermeiden.










