Dr. phil. Magdalena Telus studierte Polonistik an der Universität Wrocław, sowie Slavistik und Germanistik an der Ruhr-Universität Bochum, wo sie auch über gruppenspezifische Stereotype aus linguistischer Sicht promovierte. Sie war wissenschaftliche Mitarbeiterin u.a. am Georg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung in Braunschweig und Polnischlektorin an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und der Universität des Saarlandes. Seit 2020 ist sie wissenschaftliche Leiterin des Kompetenz- und Koordinationszentrums Polnisch (KoKoPol) bei der Stiftung Internationales Begegnungszentrum St. Marienthal in Sachsen.
Situation der polnischen Sprache in Deutschland
Seit Jahrzehnten bemühen sich zahlreiche engagierte Vertreter/-innen der Zivilgesellschaft und Politik in Deutschland und Polen um die deutsch-polnische Verständigung, sie stehen im Dialog und gestalten gemeinsam einen deutsch-polnischen Diskurs. Obwohl die Sprache die Basis dieses Austausches darstellt und ungeachtet des jahrhundertelangen Sprachkontakts (vgl. Wissenschaftlicher POLONUS 4, 2025), ist der Stellenwert der Sprachen Polnisch und Deutsch im jeweiligen Nachbarland selten Gegenstand einer über die philologischen Fachgrenzen hinausreichenden Betrachtung. Wenig Beachtung findet insbesondere die Tatsache, dass in Deutschland etwa 2.000.000 Personen mit biographischen Verbindungen zu Polen leben, wovon etwa die Hälfte zu Hause Polnisch spricht. Diese Zahl umfasst 220.000 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, darunter mehr als 160.000 Kinder und Jugendliche, die zu Hause vor allem Polnisch verwenden, jedoch selten die Gelegenheit haben bzw. nutzen, ihr Polnisch im Schulunterricht zu pflegen bzw. es als Bildungssprache zu entwickeln (Zahlen: Ramona T. Plitt nach: Statistisches Bundesamt 2024, KMK 2020).
Im Vortrag wird nach einem kurzen Einblick in die Geschichte der deutsch-polnischen Sprachkontakte die gegenwärtige Situation des Polnischen geschildert. Vorgestellt werden Zahlen aus einigen Bundesländern sowohl aus dem schulischen, als auch dem außerschulischen Bereich. Gefragt wird nach den historischen Gründen der Asymmetrie im Prestige der Sprachen Polnisch und Deutsch und den gegenwärtigen Verschiebungen in den Einstellungen zu Polen und dem Polnischen in Deutschland.