Dr. habil. Anna Żurek, Professorin an der Universität Wrocław, Linguistin und Glottodidaktikerin, leitet die Abteilung für Angewandte Linguistik am Institut für Polnische Philologie sowie die Schule für Polnische Sprache und Kultur für Ausländer der Universität Wrocław. Sie ist Initiatorin der Publikationsreihe „Glotto-Logo“, die sich mit Fragen des Unterrichts Polnisch als Fremdsprache, Mehrsprachigkeit und Logopädie befasst. Sie ist Mitglied des Rates für die Polnische Sprache sowie Vorsitzende des Teams „Polnische Sprache außerhalb der Landesgrenzen“ beim Rat für die Polnische Sprache beim Präsidium der Polnischen Akademie der Wissenschaften. Sie ist Autorin von Monographien und wissenschaftlichen Artikeln sowie von Programmen und didaktischen Materialien für den Unterricht von Polnisch als Fremd- und Herkunftssprache. Seit 2020 arbeitet sie mit dem Kompetenz- und Koordinationszentrum Polnisch (KoKoPol) in Deutschland zusammen. Ihre wissenschaftlichen Interessen umfassen: Spracherwerbstheorie, Bilingualismus, sprachliche Etikette, Didaktik und Methodik des Polnischen als Fremd- und Herkunftssprache, interkulturelle Kommunikation sowie die Bildung von Kindern mit Migrationserfahrung (einschließlich Fluchterfahrung).
Zweisprachigkeit – Kommunikationsstrategien bilingualer Personen am Beispiel des Herkunftspolnischen in Deutschland
Ziel des Vortrags ist es zu zeigen, wie früh zweisprachige Personen mit kommunikativen Schwierigkeiten umgehen, die aus lexikalischen Lücken im Herkunftspolnischen resultieren. Anstatt ihre Äußerung zu unterbrechen, greifen bilinguale Sprecherinnen und Sprecher des Polnischen auf ein ganzes Repertoire von Strategien zurück: Sie paraphrasieren, beschreiben, verändern die Struktur ihrer Äußerung oder greifen intuitiv auf Ressourcen der zweiten Sprache zurück. Während des Vortrags präsentiere ich eine eigene Typologie verbaler Kommunikationsstrategien, die nicht nur helfen, sprachliche Probleme zu lösen, sondern auch vorhandene sprachliche Ressourcen aktivieren, eine aktive Teilnahme am Gespräch trotz Wortschatzlücken ermöglichen und es den Sprechenden erlauben, in kommunikativ schwierigen Situationen „das Gesicht zu wahren“. Ich zeige, dass der strategische Sprachgebrauch ein natürlicher und integraler Bestandteil der kommunikativen Kompetenz von Sprecherinnen und Sprechern des Herkunftspolnischen in Deutschland ist. Zugleich stellt er ein wichtiges Forschungsfeld der Zweisprachigkeit in Migrationskontexten dar und wirft neues Licht darauf, wie Sprache in realen Kommunikationssituationen bei Menschen funktioniert, die zwischen zwei Kulturen leben.