Gabriela Dudek-Waligóra – Doktorin der Geisteswissenschaften im Bereich Sprachwissenschaft an der Jagiellonen-Universität in Krakau. Sie ist als wissenschaftliche Mitarbeiterin (Adjunktin) am Institut für Ostslawische Philologie der Jagiellonen-Universität tätig. Preisträgerin von Auszeichnungen des Rektors der Jagiellonen-Universität für wissenschaftliche sowie didaktisch-organisatorische Leistungen. Autorin von über 30 wissenschaftlichen Publikationen. Ihre Forschungsinteressen umfassen Rhetorik, Pragmatik, Politolinguistik sowie Text- und Diskurstheorie. Sie forscht zum zeitgenössischen russischen und polnischen politischen Diskurs.
Thema: Das Bild politischer Gegner in Beiträgen auf Instagram-Konten führender polnischer Parteien
Der Vortrag beleuchtet Fragen des zeitgenössischen politischen Diskurses in Polen, der in einem der sogenannten neuen Medien realisiert wird, nämlich im sozialen Netzwerk und in der Anwendung Instagram. Der Vortrag konzentriert sich auf die Darstellung des Bildes politischer Gegner führender polnischer Parteien, wie es sich aus Beiträgen ergibt, die auf den offiziellen Konten der Gruppierungen Koalicja Obywatelska (KO) sowie Prawo i Sprawiedliwość (PiS) veröffentlicht wurden. Diese Konten funktionieren auf einer Plattform, die hauptsächlich der Veröffentlichung visueller Materialien dient, wie Fotografien und Videoaufnahmen. Untersucht wurden Beiträge, die sowohl vielfältiges Bildmaterial (darunter Fotografien von Politikern) als auch eine schriftliche Textkomponente enthalten. Damit greift der Vortrag ein aktuelles und gesellschaftlich relevantes Thema der visuellen politischen Kommunikation in einem Medium auf, das bislang noch unzureichend wissenschaftlich erforscht ist.
Die analysierten Beiträge stammen aus dem Zeitraum von Ende Februar bis Ende März des laufenden Jahres, was durch die Intensivierung politischer Ereignisse sowohl auf internationaler als auch auf nationaler Ebene begründet ist. In diesem Zusammenhang lassen sich unter anderem der Beginn von Luftangriffen auf den Iran sowie die Debatte über ein Gesetz im Zusammenhang mit dem EU-Darlehensprogramm SAFE zur Finanzierung von Rüstungsmaßnahmen nennen.
Die Diskursanalyse wurde aus einer multimodalen Perspektive durchgeführt.
Die Analyse des faktografischen Materials zeigte, dass die Koalicja Obywatelska vor allem die Handlungen des Präsidenten Karol Nawrocki kritisierte, insbesondere im Kontext seines Vetos gegen das SAFE-Gesetz. Der Präsident wurde als „Blockade“ bezeichnet, und sein alternativer Gesetzesvorschlag wurde mit der Begründung kritisiert, er sehe „null Złoty für die Sicherheit Polens“ vor. In diesem Themenbereich zeichneten sich Beiträge aus, die mit einer schwarz-weißen Fotografie des Präsidenten vor dem Hintergrund uniformierter Soldaten versehen waren.
Die Koalicja Obywatelska führte zudem eine Kampagne unter dem Hashtag „Prawdziwa Twarz PiS“ („Das wahre Gesicht der PiS“), in deren Rahmen insbesondere Przemysław Czarnek als potenzieller Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten angegriffen wurde. Der Politiker wurde als „Ministerpräsident für vergangene Jahrhunderte“, als „großer Rückschritt in Zeiten der Indoktrination und ideologischen Enge“ sowie als „Deckmantel für Radikalismus“ bezeichnet. Auf der visuellen Ebene fiel ein Beitrag auf, der eine farbige Fotografie des Politikers zeigte, platziert auf einem leeren Karton mit einem Zettel mit der Aufschrift „Programm? Ich warte auf Anweisungen!“. Diese Illustration sollte die politische Abhängigkeit des Kandidaten vom Parteivorsitzenden der PiS – Jarosław Kaczyński – symbolisieren, der als „Operator“ bezeichnet wurde.
Prawo i Sprawiedliwość hingegen kritisierte als Hauptgegner den amtierenden Ministerpräsidenten Donald Tusk. In den analysierten Beiträgen wurde seine Regierung mit „Teuerung“ sowie dem „Bankrott“ des Staates und der Bürger gleichgesetzt. Diese Botschaft wurde durch den Slogan zusammengefasst: „Das ist keine Regierung – das ist ein Kreditunternehmen. Polen unter Pfand.“ Der Ministerpräsident wurde als „verschuldeter Glücksspieler“ bezeichnet, der „die Polen ausnimmt“. Zentrale Informationen in solchen Beiträgen wurden rot hervorgehoben und mit einer Fotografie eines lächelnden D. Tusk vor dem Hintergrund eines rot-weißen Herzens – dem Symbol der KO – versehen.
Im Kontext des erwähnten EU-Darlehensprogramms tauchte mehrfach die Bezeichnung „deutsches SAFE von Tusk“ auf. Erwähnenswert ist, dass einer der Beiträge zu diesem Thema ein schwarz-weißes Foto des Ministerpräsidenten mit unzufriedenem Gesichtsausdruck vor dem Hintergrund der deutschen Flagge zeigte.
Die Analyse zeigte, dass die von beiden Seiten der politischen Szene verwendeten sprachlichen Mittel stark wertend, häufig emotional und expressiv sowie pointiert sind. Sie sind reich an bildhaften Metaphern und Ausrufen. Nicht selten treten rhetorische Fragen sowie Elemente der Umgangssprache auf.